Deutsch | English | français
Berner Zeitung, 12.09.2011 Der Bund, 12.09.2011 Die deutsche Bühne 8/08 Der Bund, Bern, Rezension vom 16.09.08 Warten auf Heidi Opernnetz.de WDR Mediathek Basellandschaftliche Zeitung, 27.11.07 Aargauer Zeitung, 23.01.07 Deutschlandfunk WDR Mosaik: Rezension

Basellandschaftliche Zeitung, 27.11.07

Musiktheatralische Aktionen

Die Künstlerverbände Weitwinkel und Klangnetz e.V. präsentierten ein multimediales Konzert

Wenn im Programmheft zu einem Konzert Improvisationen angekündigt werden, die auf "herkömmlichen Instrumenten sehr unherkömmlich, ungewöhnlich und eigenwillig gespielt werden" und wenn das Motto dieses Konzertes "Hören und Sehen" lautet, wo das "Zusammen-, Gegeneinander- und Nebeneinanderwirken der Medien Musik, Video und Szene jenseits der konventionellen Wahrnehmungsmuster" im Mittelpunkt stehen sollen, dann darf man wirklich gespannt sein.
Und in der Tat war es erstaunlich, was die beiden Künstlerverbände Weitwinkel und Klangnetz e.V. in die 'Werkstätte für Künste und Wissenschaften' der Imprimerie Basel wichteten. War die 'Freie Impsrovisation Part I' von Duoplex mit Samuel Stoll (Horn) und Florian Volkmann (Schlagzeug) noch nicht sonderlich originell - die beiden attackierten erbarmungslos zwei unschuldige Melodicas -, kam man bei der Komposition "Touche ma Bouche" von Florian Volkmann, einem Stück für zwei sprechende Mimen, in puncto Originalität um so mehr auf seine Kosten. Dank furiosem, rhythmischen Klatschen auf offenem Mund und Backen, hörbarem Quietschen beim Reiben der Zähne mit den Fingern, schnellem Küssen der Fingerspitzen, impulsivem, rapartigem Nonsensgesang und ähnlichen "Körperspielarten" wurde dieses pfiffige Stück zu einem akustischen (und optischen) Abenteuer voll anarchischem Witz. Verstärkt wurde die Wirkung des Stücks noch durch ein paar begeisterte Amateurfotografen im Publikum, die die Darbietung der beiden Musiker mit Piepen und Zwitschern ihrer Fotoapparate bereicherten.

Kaum minder schräg die darauffolgende "Freie Improvisation Part II", in dem Sanuel Stoll einem Euphonium und drei abgesägten, mit meterlangen Schläuchen verbundenen Trompeten, die an der Decke des Raumes aufgehängt waren, die verrücktesten Klänge entlockte. Der Eindruck, der diese Improvisation hinterliess wurde noch verstärkt durch eine intensive Tanzperformance von Eva Burchhardt, die das Ganze abrundete.
Nach der Komposition "AMPYI GURI" für Horn solo des Komponisten Jürg Wyttenbach, der natürlich anwesend war, einem humoristischen Werk mit musiktheatralischem Einschlag, und einer weiteren Freien Improvisation schloss das Konzert mit der multimedialen Performance "Taler, Taler, du musst..." von Leo Dick und Nicolas Wiese. Mit Computersampling und videogenerierten Diabildern von Stadtlandschaften unterstützen Dick und Wiese die Darbietung der Sängerin Danielle Bonito und von Duoplex, das - wie es im Appenzell Tradition ist - Münzen in Keramikschüsseln kreisen liess.

Rolf de Marchi

© The Author | Online seit: 06.12.2007, 15:26:06