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Berner Zeitung, 12.09.2011 Der Bund, 12.09.2011 Die deutsche Bühne 8/08 Der Bund, Bern, Rezension vom 16.09.08 Warten auf Heidi Opernnetz.de WDR Mediathek Basellandschaftliche Zeitung, 27.11.07 Aargauer Zeitung, 23.01.07 Deutschlandfunk WDR Mosaik: Rezension

Aargauer Zeitung, 23.01.07

Facettenreiche Begegnung

Schweiz - Berlin: Die Reihe "Klangnetz" stellt neue (Klang-)Gesichter in Aarau vor.

Seit zwei Jahren gestaltet das junge Berliner Ensemble Adapter die Konzertreihe Klangnetz. Im Projekt "vis-à-vis" des Basler Komponisten Leo Dick hat das Ensemble Musik junger deutscher und schweizerischer Komponistinnen und Komponisten miteinander konfrontiert. Dick bewegte dabei die Frage, ob im zeitgenössischen Komponieren noch nationale Idiome auszumachen sind. Von je drei deutschen und schweizerischen Komponisten erklangen in diesem Austausch der besonderen Art acht in Besetzung, im klanglichen Ansatz und in ihrem Verhältnis zum musikalischen Material höchst unterschiedliche Werke.

Erwartungsgemäss machten nicht die nationalen Eigenheiten, sondern der individuelle Zugang der Komponisten zu ihrem Klangmaterial die Unterschiede aus. Zwar hat Leo Dick in "Konversation mit Klara" und in "Alpöhis Gruss an die Zivilisation" (Ersteres eine Performance für Solo-Stimme, Letzteres eine ebensolche für Alp- und Naturhorn) musikalische Portraits aus dem "Heidi"-Buch aufgegriffen. Doch das Schweiz-Klischee par excellence verschob der Komponist in Richtung der Persiflage. Während die Sopranistin Gabrielle Weber mit gekonnter Diktion, aber wenig stimmlicher Durchschlagskraft agierte, zog der Hornist Samuel Stoll alle Register von Alphorn und Naturhorn. Auf der Basis des Motivs des "Ranz des vaches" hatte der Interpret zu blasen, zu singen, zu pfeifen und zu sprechen, wobei Natur- und Geräuschhaftes bis in die Klangregionen des Didgeridoos einfloss. In den "Passagen" für Horn, Violoncello und Klavier von Sebastian Elikowski-Winkler faszinierten scharf abgegrenzte Klang-Fragmente, die allerdings noch der interpretatorischen Differenzierung bedürfen. Lyrische Momente schuf dagegen Michel Roth in "Skytale" für Klarinette, Violoncello und Klavier oder die Oldenburgerin Sarah Nemtsov in "Ver-Suche" für Flöte, Violoncello, Vibrafon und Harfe. Musikalisches Erzählen, also eine Sprachsuche durch filigranes Zusammenspiel und unkonventionelle Tonerzeugung, beschäftigt viele Komponisten einer jungen Generation. "Gehen" des Osnabrückers Tom Rojo Poller wurde von Thomas Bernhards gleichnamiger Erzählung angeregt. Seine expressive Qualität erschöpfte sich indes in wenigen Verdichtungen des kleingliedrigen, klanglich begrenzten Materials.

Hanspeter Renggli

© The Author | Online seit: 31.12.1899, 00:00:00